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GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUM NEUJAHRSEMPFANG DER HEILBERUFLER SACHSEN-ANHALTS AM 11. JANUAR 2017

Zukunftssichere Versorgung in Sachsen-Anhalt

Magdeburg. Durch den kontinuierlich wachsenden Anteil älterer Menschen verändert sich die Altersstruktur in Sachsen-Anhalt rasant. "Infolge eines immer höheren Altersdurchschnitts nimmt die Behandlungsbedürftigkeit stetig zu. Trotz ebenfalls steigender Anzahl praktizierender Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten erhöht sich deren Belastung deutlich", erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Dr. Simone Heinemann-Meerz, anlässlich des diesjährigen Neujahrsempfang der Heilberufe. In der zuvor stattgefundenen Pressekonferenz nahmen die Heilberufler zum aktuellen Versorgungsstand Stellung und gaben einen Ausblick auf deren Zukunft in Sachsen-Anhalt.

Nicht nur der höhere Versorgungsbedarf einer alternden Gesellschaft, auch der Umstand, dass viele Heilberufler in der nahen Zukunft selbst in den Ruhestand gehen werden, wirkt sich auf die Versorgung aus. Gleichzeitig wächst der Anteil von Frauen in der medizinischen Versorgung und in der nachrückenden Generation allgemein die Bedeutung einer work-life-balance. Aus diesen Perspektiven resultieren für die Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten und Apotheker im Land besondere Herausforderungen, um die medizinische Versorgung zu organisieren und auszugestalten. Auch bei der veterinärmedizinischen Versorgung von lebensmittelliefernden Tieren ist eine vergleichbare Tendenz zu befürchten, merkt der Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt Dr. Klaus Kutschmann an.

Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt, zu deren Aufgabe die Sicherstellung der ambulanten Versorgung der Bevölkerung im Land zählt, möchte die ambulante medizinische Versorgung unter den geschilderten Rahmenbedingungen zukunftssicher machen und so weit wie möglich als flächendeckende, wohnortnahe Versorgung erhalten. Deren Vorsitzender erläutert, dass dafür bereits ein ganzes Bündel von Maßnahmen entwickelt wurde. "Dennoch ist eine Zentralisierung der Praxen der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten in größeren Orten zu erwarten, die damit einhergehen wird, dass nicht mehr jede Praxis im ländlichen Bereich nachbesetzt werden kann", so Dr. Burkhard John.

Auch in der zahnärztlichen Versorgung werde es diese Entwicklung geben, erklärte der Stellvertretende Vorsitzende der KZV Sachsen-Anhalt, Dr. Stefan Schorm. "Wir brauchen in den nächsten Jahrzehnten Zahnärztinnen und Zahnärzte, die auch weiterhin bereit sind, sich in ländlichen, strukturschwachen Regionen niederzulassen und die dortige Versorgung zu gewährleisten", so Schorm. Die Politik setze Fehlanreize, wenn sie auf Großversorgungsstrukturen wie Medizinische Versorgungszentren (MVZ) baue. Solche Strukturen verschärfen die Problemlage im zahnärztlichen Bereich. MVZs führen zu einer Konzentration der medizinischen Versorgung in strukturstarken Gebieten. Die wohnortnahe, flächendeckende zahnärztliche Versorgung in strukturschwachen Gebieten wird weiterhin vor allem durch die freiberufliche Tätigkeit in einer selbständig geführten Praxis sichergestellt. Die Anreize für diese Form der Berufsausübung verblassen jedoch zunehmend, unter anderem auch durch die Förderung von MVZs.

Für die Apotheker ergänzt Kammerpräsident Dr. Jens-Andreas Münch: "In Orten, in denen Ärzte praktizieren, in denen aber keine Apotheke ansässig ist, sichern wir die wohnortnahe Arzneimittelversorgung mittels Rezeptsammelstellen."

Aber auch die Landesregierung sei gefordert, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Diese beginne bei der adäquaten Unterstützung der Hochschulen. "Die Zukunft beginnt beim Nachwuchs und damit bei den Hochschulen", so Dr. Heinemann-Meerz. "In der Vergangenheit haben wir uns für den Erhalt beider medizinischer Hochschulen, der Finanzierung der Unikliniken und Sanierung der Zahnklinik einsetzen müssen. Die Bleibequote von jungen Ärzten nach dem Studium in Sachsen-Anhalt ist hoch. Wir können kaum mit Zuzug von außen rechnen. Deshalb müssen wir unseren ärztlichen Nachwuchs selber ausbilden. Ausbildung kostet. Aber diese Investition in die Zukunft lohnt sich!", stellt die Kammerpräsidentin klar.

Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, forderte die Landesregierung außerdem auf, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die seit 1955 bestehende und derzeit im Bundesministerium für Gesundheit in Arbeit befindliche neue Approbationsordnung entsprechend umzusetzen. In den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren trete etwa die Hälfte der heute aktiven Zahnärzte in Sachsen-Anhalt in den Ruhestand, warnte Hünecke. Um den entstehenden Versorgungsbedarf auch nur ansatzweise zu decken, müsse die Zahnklinik in Halle (Saale) als Ausbildungsstandort attraktiv bleiben.